„Verzichten ist das neue Geniessen“

über dieses Thema referierte Antje Balters aus Weyhe am Mittwoch beim Erntedankfest des LandFrauenvereins Achim und Umgebung im Daverdener „ Waldschlösschen“. Die Vorsitzende, Annameta Rippich, begrüßte im herbstlich dekorierten Saal zahlreiche Landfrauen.

Annameta Rippich erläuterte, dass viele Leute den Bezug zur Nahrung verloren hätten. Sie erinnerte daran, wie schwierig es oft für die Landwirte sei, die Ernte einzufahren, sei es wegen extremer Trockenheit oder Nässe. Das Bewusstsein für die gesunde Ernährung müsse schon bei den jungen Menschen geweckt werden, erklärte Rippich. Aus diesem Grunde hätten die Landfrauen das Projekt „Vom Hof auf den Teller“ ins Leben gerufen, um Kindern zu zeigen, wie die Produktionskette von der Erzeugung bis zum Essen funktioniert. Rippich unterstütze auch die Treckerdemonstration und forderte, nicht übereinander, sondern miteinander zu reden.

Begeistert zeigte sich auch die 1. Vorsitzende vom Landeserntedankfest Anfang Oktober im Verdener Dom, bei dem der Landesbischof Ralf Meister und die Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast gesprochen hatten.

Dann war die Autorin Antje Balters an der Reihe und zeigte Bedenkenswertes auf .Um 1900 besaß jeder nur etwa 300 Gegenstände, führte die Weyherin aus – die 100 Einweckgläser im Keller schon eingerechnet . „Heute besitzen wir zigtausende von Gegenständen, die teilweise sinnlos sind“ sagte sie. Vor Kurzem habe sie in der Zeitung von einem „Aufräumcoach“ in Bremen gelesen. Der sei in vielen Fällen sinnvoll. „Heute wird so viel produziert, dass es schwerfällt, das richtige Maß zu finden“. Freiwilliges Verzichten falle leichter , wenn eine Belohnung daran geknüpft ist.

Sie habe fünf Kinder, heute im Alter zwischen 33 und 25 Jahre alt, erklärte die Referentin. Es sei zwar eine anstrengende Zeit gewesen, als die Kinder klein waren, und sie habe auf vieles verzichten müssen, aber der Nachwuchs sei eine Bereicherung gewesen. Und wie geht es weiter, wenn sie aus dem Haus sind? Es sei wichtig Trampelpfade anzulegen und die Aufgaben nicht aufzuschieben, sondern diese sofort in Angriff zu nehmen. „Mir reicht ein Bild im Kopf schon aus, mit dem ich den nächsten Tag plane“. Sie forderte die Zuhörerinnen dazu auf, das Schubladendenken abzulegen und auf die Bequemlichkeit oder Weihnachtsgeschenke zu verzichten. Denn bei jedem freiwilligen Verzicht wachse das Vertrauen in Veränderungen.“ Langeweile ist das Kreativste was wir haben“. Im Alter von 25 bis 30 sollte man versuchen, ohne Instagram und andere soziale Medien auszukommen, so ihr Rat, bis 45 gute Freundschaften pflegen, von 45 bis 65 versuchen, nicht zu allem den Senf dazu zu geben und ab 65 auf die Gedanken über Vergangenes verzichten und auch vor der Zukunft keine Angst haben.

Zum Schluss hatte Balters, die viel Beifall für ihren Vortrag erhielt, Tipps für ein erfülltes Leben für die Landfrauen: Sie führe ein „Dankeschön-Tagebuch“ mit mindestens drei Einträgen pro Tag und pflege das Vertrauen in sich selbst. Und an jedem Abend stelle sie sich vor, wie der nächste Tag werde.

Bericht: Wolfgang Hustedt/Achimer Kreisblatt
Fotos: Marie-Luise Wilkens