„Superfood“ unnötig für gute Ernährung!












Expertin referiert beim Landfrauenverein

„Gesunde Ernährung hängt nicht von Lebensmitteln ab.“

Dieses Fazit zog die Diplom-Ökotrophologin Karin Nichter-Wolgast am Mittwochnachmittag auf einer Veranstaltung des LandFrauenvereins Achim und Umgebung im Daverdener „Waldschlößchen“.

Thema der gut besuchten Veranstaltung waren „Superfoods“, zum Beispiel Chia-Samen, Morinja und Goji, denen eine sagenhafte Wirkung auf die menschliche Gesundheit nachgesagt werden. Die Referentin von der Landwirtschaftskammer in Oldenburg, zuständig für Ernährung, Lebensmittelqualität und Verbraucher, setzte sich kritisch mit diesen Lebensmitteln auseinander.

Sie kam zu dem Ergebnis, dass in exotischen Superfoods wie den Acai-Beeren vom Amazonas, den Goji-Beeren aus dem Himalaya oder den Samen der krautigen Chia-Pflanze, die früher in den Hochebenen Mexicos verbreitet waren, keine ungeahnten Superkräfte stecken. „Wunderwirkungen darf man von ihnen nicht erwarten“ sagt Nichter-Wolgast.

Leider hätten viele ein natürliches Verhältnis zur Ernährung verloren, stellte die Referentin fest, obwohl oder gerade weil die Deutschen in einem „Lebensmittelschlaraffenland“ lebten. Solch ein Riesenangebot sei keine Selbstverständlichkeit, „ denn sattessen können wir uns erst seit kurzer Zeit“.

Karin Nichter-Wolgast kritisierte die massenhaften Ratgeber in Ernährungs-Fragen. „Wenn ich kochen kann, dann kann ich auch ein Ernährungsbuch schreiben? geißelte sie die zahlreichen „Fachbücher“ auf dem Markt.

„Sind wir satt, glücklich und zufrieden?“ Diese Frage beantwortete die Expertin von der Landwirtschaftskammer mit einem klaren „Nein“. Sehr viele Verbraucher seien skeptisch, hätten den Wunsch nach Orientierung und mieden bestimmte Lebensmittel – in der Hoffnung auf einen ewigen Jungbrunnen.

„Früher war der Hunger der beste Koch, es sollte gut schmecken und gesund sein.“ Heute soll das Essen dem neuen Lebensstil entsprechen, erläutere Karin Nichter-Wolgast. Aber es gebe auch gegenläufige, ermutigende Entwicklung. So kämen Eintöpfe und das
Einwecken von Obst und Gemüse, nach dem Krieg ein Zeichen des Mangels, wieder in Mode.

Die Referentin sprach aber auch Trends wie veganes oder glutenfreies Essen an. Da entwickele sich ein regelrechter Hype. Es ist eben schick, anders zu essen als andere“ erklärte Sie.

Vegan heißt, keine Nahrung, die von Tieren stammt, zu sich zu nehmen, aber auch keine Produkte wie Leder, Seide, Wolle oder Federn zu nutzen. Wer einseitig esse, warnte sie, müsse mit einer gestörten Blutbildung, einem verzögerten Wachstum und hinterher hinkender Gehirnentwicklung rechnen. Das sei vor allem für Schwangere und Kleinkinder gefährlich.

„Superfood“ bilanzierte sie, ist ein Modewort geworden. Dabei sei es durch den langen Transportweg selten frisch. „Die Beanstandungsquote ist hoch“ Es bestehe dabei erheblicher Forschungsbedarf. Für eine gesunde Ernährung ist „Superfood“ nicht
erforderlich und sogar überflüssig.

Sie schlug vor, stattdessen heimische Produkte wie Kohlgemüse, Beerenobst, Küchenkräuter, Zwiebelgemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Wildfrüchte zu genießen.

Der Verbraucher sollte auf unverarbeitete Produkte aus der Region zurückgreifen, saisonale Ware bevorzugen – und mehrstündige Essenspausen einlegen.

Bericht: W.Hustedt( Achimer Kreisblatt)
Fotos : Marie-Luise Wilkens


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