Landfrauen erhalten spannenden Geschichtsunterricht











-Vortrag von Wolfgang Borchert über Kriegs-u. Nachkriegszeit untermalt sehr gut besuchte Frühstücksveranstaltung-

„Es tut mir leid, mein Vortrag hat etwas lange gedauert“ sagte Wolfgang Borchert doch seine Entschuldigung ging im Applaus begeisterter Damen unter. Etwa 150 Landfrauen genossen am Sonnabendvormittag im Gasthaus Segelken in Bassen nicht nur das reichhaltige Frühstück, sondern auch den anschließenden gehaltvollen Vortrag „wie Wir wurden – was WIR sind“ zu dem derLandFrauenverein Achim und Umgebung eingeladen hatte.

„Geschichtsunterricht erster Güte“, „wundervoll“ und „sehr spannend“ fanden die Besucherinnen den gut anderthalbstündigen Vortrag über die Nachkriegszeit in Deutschland. Darin räumte Borchert mit dem in Schulen jahrzehntelang gelehrten Bild „Wir sind die Guten, die dort die Bösen“, auf - er bezog Erkenntnisse neuester Forschungen mit ein- und zeigte damit, dass Geschichte alles andere als verstaubt ist und bis in die heutige Zeit hineinwirkt . Als Sahnehäubchen spielte er Schlager aus der Nachkriegszeit.

Borchert hatte 20 Jahre lang die ländliche Heimvolkshochschule bei Göttingen geleitet und viele Seminare für ausländische Deutschlehrer gegeben. „Das haben die Landfrauen mitbekommen und deshalb referiere ich auf ihren Veranstaltungen“, leitete er seinen Vortrag ein, und die Zeitreise in die Nachkriegszeit begann: „Am 08. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Doch im Gegensatz zum Ersten wurde Deutschland im Zweiten Weltkrieg großflächig zerstört, von den Alliierten besetzt und es gab keine deutsche Regierung. Was von 1945 bis 1949 in Deutschland geschah, haben also die Siegermächte zu verantworten. Das war so gewollt, denn die USA, Sowjetunion und Großbritannien besprachen bereits Ende 1943, was mit Deutschland nach Kriegsende geschehen sollte“, schilderte der Referent. Die drei Mächte kamen zu dem Ergebnis: Der Krieg ist erst beendet, wenn Deutschland vollständig besetzt ist. Im Februar 1945 kamen die Drei das zweite Mal zusammen, diesmal in Jalta auf der Krim und überlegten, wie die Besatzungszonen eingeteilt werden sollten.

„Da die Amerikaner, die Süddeutschland bekamen, unbedingt einen eigenen Hafen haben wallten, gab man ihnen Bremen und Bremerhaven. Die Sonderrolle Bremens blieb erhalten – das ist der Grund, warum Bremen Bundesland wurde- berichtete Borchert.

Und Frankreich? „Es war die Idee der USA, Frankreich zu beteiligen, obwohl es keine Siegermacht war, denn beim Wiederaufbau Europas sei das Land wichtig. So traten die USA an Frankreich die Gebiete ab, die an Frankreich grenzten, und ein Stück von Berlin“ , sagte der Clausthal-Zellerfelder.

Die Deutschen hatten auf auf diese Diskussionen keinen Einfluss, sie hatten andere Sorgen: Sie kämpften ums Überleben, bangten um Männer, die in Gefangenschaft geraten waren. „Es ist aber auch manches nach dem Krieg gleichgeblieben, beispielsweise wurde sonntagnachmittags im Radio das Wunsch konzert gesendet. Im ersten Halbjahr nach dem Krieg lautete der am meisten gewünschte Titel „Davon geht die Welt nicht unter“ von Zarah Leander, sagte Borchert. Das spielte er ab und das Publikum sang den Refrain mit. Und noch ein Lied. Wer sang „ Bei mir zu Haus“ ? fragte der Referent. Die Landfrauen rätselten und rieten. „Wer es weiß, bekommt eine Einkaufstasche“ stachelte die Landfrauenvorsitzende Annameta Rippich den Ehrgeiz der Damen an. „Friedel Hensch“ murmelte man hier und dort. Stimmt , ist aber doch nicht ganz richtig. „Friedel Hensch und die Cyprys“ erlöste Borchert die Runde.

Borchert informierte über die Potsdamer Konferenz, in der es um die Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratie ging, über die deutschen Ostgebiete, die unter polnischer Verwaltung gestellt wurden, und wie die USA die Teilung Deutschlands vorantrieb, während die Sowjetunion versuchte die Frage offenzuhalten, so dass sich ein Konflikt entwickelte: Frankreich, Großbritannien und die USA legten ihre Zonen zu einem gemein-schaftlichen Wirtschaftsgebiet zusammen.

1948 setzen Veränderungen ein: Die Währungsreform schweißte die drei Westzonen enger zusammen, was die Sowjetunion mit der Blockade Berlins beantwortete .Die Einwohner der Stadt wurden über die Luftbrücke mit dem nötigsten versorgt, doch die Folge war das Zerwürfnis zwischen Ost und West, was die Teilung Deutschlands erahnen ließ. Dann der Marshallplan, der laut Borchert keine karitative Hilfe war, sondern ein lukratives Geschäft für die Amerikanische Wirtschaft. Die Amerikaner stellten den zerstörten Ländern Geld für den Wiederaufbau zur Verfügung, günstige Kredite mit langer Laufzeit. Bedingung: Damit durften nur amerikanische Waren gekauft werden. So kurbelten die USA ihre eigene Wirtschaft an.

Die Sowjetunion befürchtete wirtschaftliche Abhängigkeit und lehnte die Kredite ab, „Das ist sicher einer der Gründe, warum die Entwicklung in den osteuropäischen Ländern langsamer als in den westeuropäischen voranging“, folgerte der Referent. Anschließend wurde systematisch der Aufbau eines westdeutschen Staates vorbereitet: 1949 entstand die Bundesrepublik, ein halbes Jahr später die DDR. Mit dem Lied „Es geht besser, besser, besser“ von Caterina Valente und Silvio Francesco, das die Stimmung des aufkommenden Wirtschaftswunder einfing, endete die Veranstaltung.

Bericht: Achimer Kreisblatt/is
Fotos: is und Marie-Luise Wilkens

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